Indien

Ich beginne meinen Bericht zu Indien mit der Frage und der Antwort, wie ich dazu kam, überhaupt nach Indien zu reisen…

Seit einiger Zeit beschäftige mich der Gedanke, dass ich mir nicht immer Luxusferien oder allgemein Ferien für mich leisten will. Ich möchte was weitergeben von dem ich genügend habe…Geld, Liebe, Herzlichkeit, Fröhlichkeit. Ich machte mir Gedanken, wo und an wen ich dies weitergeben möchte. Schnell war klar, dass ich es Kindern bereichern möchte, die all dies noch nicht oder nur beschränkt erleben können. Es gibt so viele Projekte, doch wohin sollte ich nur gehen? Mehrere Projekte schaute ich mir an, doch nur bei einem schlug mein Herz höher. Stopp! Das Projekt ist in Indien. Indien? Reizt mich gar nicht. Negative Schlagzeilen. Heilige Kühe…ich mag Kühe nicht. Hygiene = 0 usw. Ganz viele Gründe sprachen dagegen. Und doch konnte ich das Projekt nicht vergessen und entschied mich dafür. Manchmal braucht es im Leben einfach ein bisschen Mut. Viele Wege führen nach Rom oder eben nach Indien. Jeder von unserem Team, 9 Personen, hatte eine andere Motivation.

Wir flogen von Zürich nach Mumbai. Abflug bei Schnee am Morgen, Ankunft bei 34 Grad am Abend. Die ganze Woche war es tropisch schwül heiss und 34 Grad. Ich mag dieses Wetter nicht sehr. Also die Hitze mag ich, doch lieber die trockene Hitze. So musste ich leider in den ersten Tagen auch unter Kopfschmerzen leiden…ein leidiges Thema in meinem Leben. Ich mag die Sonne. Doch ich sah sie praktisch nie in dieser Woche. Der Smog war zu dicht um Sonnenstrahlen zu sehen.

Die ersten zwei Nächte verbrachten wir in einem schönen Hotel in Mumbai. Schon zu Beginn ist mir der Kontrast zwischen Arm und Reich extrem aufgefallen. Reiche Leute essen gediegen in Restaurants, arme Leute schlafen draussen auf der Strasse und betteln für ihre Mahlzeiten. Viel hat mit dem System, mit der Korruption und auch mit dem Hinduismus und dem damit verbundenen Kastensystem zu tun http://de.wikipedia.org/wiki/Hinduismus#Kastensystem

Mumbai ist eine riesige Stadt…Bevölkerung rund 18 Millionen…stellt euch das mal bitte vor…unglaublich. Genau so unglaublich ist das grosse Verkehrschaos in Mumbai. Steckst du in der Rushhour im Stau, kann die Fahrt zum Flughafen schnell mal drei Stunden dauern. Geblinkt, Rücksicht genommen und gewartet wird grundsätzlich nicht, sondern einfach gehupt. Hupen und wer mehr Mut hat, hat gewonnen. Oft haben wir die Augen geschlossen und gehofft, dass wir heil aus diesem Chaos kommen. Sind wir doch Schweizerinnen und Schweizer, welche sich Ordnung und Anstand gewöhnt sind.

Wir besuchten einen Slum in Mumbai. Das Hilfswerk hat ein „Day-Care-Center“ eingerichtet, so dass die Kinder in den Genuss von Bildung kommen. Die Familien, welche in den Slums leben, können sich einen Schulbesuch nicht leisten, denn der Schulbesuch ist nicht wie in der Schweiz „gratis“.

Vom Montag bis Donnerstag waren wir in einem Kinderheim untergebracht und da tätig. Es ist ein Waisenheim und es liegt auf einem wunderschönen, grünen Fleck Erde. Es hat Palmen, Bananen- und Mangobäume. Das Kinderheim ist in Panvel, ca.1 Autostunde von Mumbai entfernt. Wir kamen am Sonntagabend an und es herrschte Stromausfall. Ganz schön gewöhnungsbedürftig, dass einfach so mal der Strom für ein paar Stunden aussteigt. Zumindest für uns Schweizer. Die Kinder nahmen dies jeweils sehr gelassen und spielten halt in der Dunkelheit weiter.

Wir verbrachten eine wunderbare Woche mit den rund 75 Kinder. Wir sangen Lieder, spielten verschiedene Spiele, bastelten, malten und die Kinder zeigten uns ihre unermüdliche Ausdauer. Zum Teil waren wir wirklich den ganzen Tag von Morgens bis Abends am spielen und die Kids konnten nicht genug kriegen. Es war eindrücklich zu sehen, mit wie wenig Aufwand die Kinder glücklich sind. Es zeigte mir, wie sehr wir in der Schweiz im Überfluss leben (Beispiel Spielzeuge) und dass es für diese Kinder ein absolutes Highlight ist mal ein Spielzeug in die Hand zu nehmen. Ein simpler Ballon konnte eine riesige Freude auslösen…das Lächeln im Gesicht war immer wieder ein wunderschöner Anblick.

Am Freitag liessen wir unsere Reise mit einem Shoppingtag, ja es war ein Kontrastprogramm, ausklingen und gingen bereits früh an den Flughafen. Wir kamen in die Rush-Hour und wie gesagt, der Weg dahin dauerte rund 3x länger als üblich. Gott sei Dank hatten wir einen wunderbaren indischen Fahrer, welcher unser Bus gut im Griff hatte.

Wir kehrten tief beeindruckt, glücklich und müde zurück in die Schweiz. Ich lernte den Schweizer Luxus, insbesondere auch beim Essen, wieder sehr schätzen und bin gedanklich immer noch oft in Indien und bei all diesen wunderbaren Kindern. Was für ein Glück (und es ist wirklich einfach Glück), dass ich in der Schweiz geboren wurde. Es macht mich schon sehr nachdenklich, dass die Möglichkeiten so unterschiedlich sind, je nachdem wo wir geboren wurden und leben dürfen. Trotzdem gaben uns die Kinder und Erwachsenen viel mit, auch wenn sie nichts haben. Sei es ihr Lächeln oder die beeindruckende Gastfreundschaft, von welcher wir Schweizer/innen noch viel lernen können.

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2 Gedanken zu “Indien

  1. Salome schreibt:

    Liebs Moni
    Grossen Respekt für deinen Mut zu diesem Abeteuer! Deine fröhliche Art hat den Kindern bestimmt sehr viel gegeben.
    Es ist sehr spannend deine Erlebnisse und Gedanken zu lesen.
    Liebs Grüessli Salome

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  2. Oli schreibt:

    Ich finde es super, dass du das gemacht hast. Solche Erfahrungen sind unglaublich bereicherend. Vor allem erlauben sie auch einen Blick hinter die negativen Schlagzeilen, die wir bei uns immer lesen. Bei all den Problemen, die Indien hat, finde ich den Subkontinent dennoch ein ganz spannendes Reiseland.

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